Die Rohölpreise interessieren sich nicht für europäische Klimaziele. Nach einer Reihe von Zwischenfällen auf See und Blockadedrohungen rund um die Straße von Hormus sind die Betriebskosten der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen innerhalb weniger Wochen schmerzhaft deutlich geworden.
Versorgungsunternehmen und politische Entscheidungsträger betrachten Solar-, Wind- und Batteriespeicher plötzlich nicht mehr als bloße Umweltsymbolik, sondern als Notfall-Stoßdämpfer. Der Wettlauf um die Sicherung von Projekten für saubere Energie ist sowohl praktischer als auch politischer Natur. Doch während Regierungen versuchen, sich gegen die Volatilität im Nahen Osten abzusichern, laufen sie geradewegs auf eine andere geopolitische Realität zu: China besitzt bereits die Hardware.
Diesel durch Lithium ersetzen
Unterbrechungen der Öl- und Gaslieferungen haben einen globalen Ansturm auf erneuerbare Energien, Batterien und Elektrofahrzeuge ausgelöst. Die Verkäufe von Photovoltaikanlagen für Dächer steigen zuerst, einfach weil Hausbesitzer und kleine Unternehmen schneller reagieren können als nationale Stromnetze. Der strukturelle Wandel findet jedoch auf der Ebene der Versorgungsunternehmen statt.
Netzbetreiber schreiben aktiv Batteriespeicherprojekte im Versorgungsmaßstab aus, um Preisspitzen im Tagesverlauf auszugleichen und ihre Abhängigkeit von importiertem LNG und Diesel für Spitzenlastkraftwerke zu verringern. In Südost- und Südasien zeigen Importprotokolle bereits einen massiven Anstieg bei den Lieferungen von Solarmodulen. Es handelt sich um einen schnellen Einsatz von Hardware, die dazu dienen soll, unmittelbare Importengpässe zu decken.
Ein integriertes Monopol
Wenn die Nachfrage sprunghaft ansteigt, wendet sich die Welt an chinesische Fabriken. Dies ist kein Zufall und auch nicht nur auf billige Module zurückzuführen. Ein Jahrzehnt des aggressiven, staatlich gelenkten Kapazitätsaufbaus hat chinesischen Unternehmen einen uneinholbaren Skalenvorteil über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg verschafft.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hält China einen überwältigenden Anteil an der weltweiten Batteriezellenproduktion und der Herstellung von Elektrofahrzeugen. Sie dominieren die Bereiche Polysilizium, Waferherstellung, Zellmontage, Packintegration sowie Forschung und Entwicklung in der Batteriechemie.
Für einen Autohersteller oder ein Versorgungsunternehmen, das Kapazitäten sofort bereitstellen muss, bietet ein vollständig integriertes chinesisches Angebot weitaus weniger bürokratische Hürden, als eine lokale Lieferkette von Grund auf neu aufzubauen. In Märkten, die nicht durch US-Zölle und Exportkontrollen belastet sind, ist Peking der Weg des geringsten Widerstands.
Der Brüsseler Engpass
Dies bringt Europa in eine schmerzhaft vertraute Zwickmühle. Deutsche Ingenieurskunst ist nach wie vor erstklassig, und europäische Firmen liefern weiterhin die hochwertige Leistungselektronik, Turbinen und Industriemaschinen, die für den Bau von Batteriefabriken tatsächlich benötigt werden.
Doch Europa fehlt die Massenfertigungskapazität für die Paneele und Zellen selbst. Brüssel und Berlin stehen nun vor einer harten politischen Entscheidung: die fortgesetzte Abhängigkeit von chinesischen Importen für eine schnelle Dekarbonisierung in Kauf nehmen oder versuchen, eine souveräne Lieferkette aus dem Boden zu stampfen.
Brüssel verfügt über die Instrumente für Letzteres, vor allem durch IPCEIs, Horizon-Zuschüsse und angepasste Regeln für das öffentliche Auftragswesen. Doch industrielle Mobilisierung braucht Zeit. Finanzierung, Genehmigungen und der Zugang zu Rohstoffen bleiben fatale Engpässe.
Die politische Ironie ist greifbar. Europa ist im Prinzip durchaus in der Lage, eine souveräne Lieferkette aufzubauen. In der Praxis wartet die Umsetzung jedoch immer noch auf den Papierkram.
Quellen
- Internationale Energieagentur (IEA)
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!