NASA-Teams treten diese Woche mit dem Beginn einer zweiten Wet Dress Rehearsal (WDR) in eine entscheidende Validierungsphase für die Artemis II-Mission ein. Diese umfassende 50-stündige Simulation dient als ultimativer Belastungstest für das Space Launch System (SLS) und das Orion-Raumschiff, bevor sie zum ersten Mal seit 1972 eine menschliche Besatzung zum Mond befördern. Die Mission stellt einen entscheidenden Moment im Artemis-Programm dar und markiert den Übergang von unbemannten Tests zur aktiven Erforschung des tiefen Weltraums durch den Menschen.
Was verursachte die Probleme bei der ersten Artemis II WDR?
Bei der ersten Artemis II Wet Dress Rehearsal trat ein kritisches Flüssigwasserstoffleck an der Schnittstelle des Tail Service Mast Umbilical (TSMU) auf, was zu einem automatischen Abbruch des Countdowns bei T-5:15 führte. Technische Teams identifizierten zudem Probleme mit einem Druckbeaufschlagungsventil der Orion-Luke und stellten während der Simulation am 2. Februar Aussetzer in der Audiokommunikation fest.
Technische Unstimmigkeiten während der ersten Generalprobe veranlassten Startdirektorin Charlie Blackwell-Thompson, den Betrieb zu unterbrechen, um die Flugsicherheit zu priorisieren. Ingenieure stellten fest, dass die Tanks zwar schließlich die erforderlichen Treibstoffstände erreichten, die Leckage an der Schnittstelle zwischen der Rakete und der mobilen Startplattform jedoch zu groß war, um mit dem finalen Countdown fortzufahren. Seit diesem Ereignis haben NASA-Techniker die Dichtungen am TSMU ausgetauscht und umfangreiche Datenprüfungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Hardware robust genug für den bevorstehenden 50-stündigen Testzyklus ist, der am Dienstagabend beginnt.
Wie bereitet die WDR auf den tatsächlichen Start von Artemis II vor?
Die Wet Dress Rehearsal bereitet auf den Start von Artemis II vor, indem sie den vollständigen 50-stündigen Countdown simuliert, einschließlich der Betankung der Rakete mit extrem kaltem Flüssigwasserstoff und Flüssigsauerstoff. Dieser „Tankvorgang“ ermöglicht es der NASA, die Integrität des Space Launch System und der Bodensysteme unter realen kryogenen Bedingungen zu überprüfen, ohne die Triebwerke zu zünden.
Die Überprüfung des Automated Launch Sequencer (ALS) ist ein primäres Ziel dieser zweiten Generalprobe. Während der letzten 10 Minuten des Countdowns – dem terminalen Countdown – werden die Bodenkontrolleure einen dreiminütigen Halt üben und dann die Uhr zurücksetzen, um eine neue Startzeit innerhalb desselben Fensters zu simulieren. Diese Flexibilität ist für die bemannte Raumfahrt (Human Spaceflight) unerlässlich, da sie es dem Team ermöglicht, kleinere Probleme am Starttag zu beheben, ohne die gesamte Mission abbrechen zu müssen. Der Test gipfelt in einer simulierten Abschaltung bei T-33 Sekunden, kurz bevor die Flugcomputer der Rakete normalerweise die autonome Steuerung übernehmen würden.
Ist der 6. März das früheste Startdatum für Artemis II?
Der 6. März 2026 ist derzeit das früheste offizielle Startfenster für die Artemis II-Mission, wie NASA-Vertreter nach der Verschiebung der zweiten Wet Dress Rehearsal bestätigten. Während externe Interessengruppen zuvor über die Möglichkeit eines Fensters am 3. März diskutierten, hat sich die Behörde dafür entschieden, den Termin am 6. März beizubehalten, um sicherzustellen, dass alle Testdaten gründlich analysiert werden.
Der Zeitplan der Mission wird strikt durch die orbitale Ausrichtung von Erde und Mond diktiert. NASA-Administrator Jared Isaacman merkte an, dass zwar kurzzeitig frühere Termine in Betracht gezogen wurden, die Priorität jedoch weiterhin auf dem erfolgreichen Abschluss der WDR am 19. Februar liegt. Wenn die Generalprobe alle Erfolgskriterien erfüllt, wird das Space Launch System am Startkomplex 39B im Kennedy Space Center verbleiben, um sich auf das Zeitfenster am 6. März vorzubereiten, das die optimale Flugbahn für den Vorbeiflug der Besatzung am Mond und die anschließende Rückkehr zur Erde bietet.
Werden die Artemis-II-Astronauten an der WDR teilnehmen?
Die Artemis-II-Astronauten – Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen – gehen normalerweise während der Wet Dress Rehearsal nicht an Bord des Orion-Raumschiffs, da das Laden von über 700.000 Gallonen kryogenem Treibstoff mit Gefahren verbunden ist. Stattdessen konzentriert sich der Test auf die Synchronisation der Bodensysteme sowie der internen Hard- und Software der Rakete.
Obwohl sich die Besatzung während des Betankungsvorgangs nicht physisch in der Kapsel befindet, ist sie tief in die verfahrenstechnischen Aspekte der Mission eingebunden. Die vier Astronauten, die sowohl die NASA als auch die Canadian Space Agency vertreten, haben ein strenges Training für die „freie Rückkehrbahn“ absolviert, der sie folgen werden. Diese spezifische Flugbahn ist ein Sicherheitsprotokoll, das sicherstellen soll, dass das Orion-Raumschiff mithilfe der Mondgravitation natürlich zur Erde zurückgezogen wird, selbst wenn das Hauptantriebssystem ausfällt. Diese Mentalität eines „Testflugs“ ist der Grund, warum die WDR von den Bodenteams mit so hoher Präzision durchgeführt wird.
Technische Ziele und der Weg zu Artemis III
Der erfolgreiche Abschluss der dieswöchigen Artemis II-Generalprobe ist die letzte große Hürde, bevor die NASA die erste bemannte Monderkundung (Lunar Exploration) des 21. Jahrhunderts festlegen kann. Die Behörde nutzt die Erkenntnisse aus der Artemis I-Mission im Jahr 2022, die mit ähnlichen Problemen bei Wasserstofflecks konfrontiert war und vor ihrem erfolgreichen unbemannten Flug mehrere Generalproben erforderte. Durch die Verfeinerung dieser „Betankungsverfahren“ verringert die NASA das Risiko langfristiger Verzögerungen, die das Ziel für Artemis III im Jahr 2028 beeinträchtigen könnten – die Mission, die Menschen auf der Mondoberfläche landen soll.
- Kritischer Meilenstein 1: Beladen der SLS-Kernstufe und der Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS) mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff.
- Kritischer Meilenstein 2: Erfolgreiche Durchführung eines dreiminütigen Halts bei T-1:30 in startbereitem Zustand.
- Kritischer Meilenstein 3: Übergabe an den Automated Launch Sequencer bei T-33 Sekunden zur Überprüfung der autonomen Softwarelogik.
- Kritischer Meilenstein 4: Erfolgreiches „Recycle“ des Countdowns zur Demonstration der Flexibilität des Startfensters.
Die zweite Artemis II WDR soll ihr simuliertes Startfenster am Donnerstag um 20:30 Uhr ET erreichen. Die NASA wird einen Livestream der Veranstaltung bereitstellen, der es der Öffentlichkeit ermöglicht, den Fortschritt der Treibstoffbeladung durch grafische Darstellungen und laufende Aktualisierungen zu verfolgen. Dieser methodische Testansatz spiegelt das Engagement der NASA für Sicherheit wider, während sie sich darauf vorbereiten, Menschen 230.000 Meilen von der Erde wegzuschicken, was den Beginn einer neuen Ära der Erforschung des tiefen Weltraums markiert.
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