Wissenschaftler, die in Frankreich und Südafrika tätig sind, haben über einen bemerkenswerten mikroskopischen Befund im Blut von Menschen mit Long COVID berichtet: winzige, klebrige Klumpen aus abnormalem Fibrinprotein, die physisch mit netzartigen Strukturen verflochten zu sein scheinen, welche von weißen Blutkörperchen freigesetzt werden. Die Autoren geben an, dass diese gepaarten Strukturen – bekannt als Mikrothromben und neutrophile extrazelluläre Fallen (NETs) – bei Long-COVID-Patienten weitaus häufiger und größer sind als bei gesunden Kontrollpersonen und dazu beitragen könnten, anhaltende Symptome wie Fatigue und Brain Fog zu erklären.
Warum diese Strukturen von Bedeutung sein könnten
Mikrothromben unterscheiden sich von den großen Blutgerinnseln, die Schlaganfälle oder tiefe Venenthrombosen verursachen: Es handelt sich um mikroskopische Aggregate aus fehlgefaltetem oder vernetztem Fibrinogen/Fibrin, die zirkulieren und sich in den kleinsten Blutgefäßen festsetzen können. NETs sind Netze aus DNA, die mit Enzymen bestückt sind, welche Neutrophile ausstoßen, um Krankheitserreger einzufangen. Im Übermaß ist jedoch bekannt, dass sie die Gerinnung fördern und umliegendes Gewebe schädigen. Wenn NETs in Mikrothromben eingebettet werden, könnten sie diese Gerinnsel resistenter gegen die normalen fibrinolytischen Abbauprozesse des Körpers machen, deren Lebensdauer verlängern und mikrovaskuläre Durchflussstörungen verschlimmern. Dies wiederum könnte die Sauerstoffversorgung des Gewebes verringern und helfen, diffuse, langanhaltende Symptome bei einigen Patienten zu erklären.
Wie das Team das Blut untersuchte
Um nach diesen Mustern zu suchen, kombinierten die Forscher Fluoreszenzmikroskopie mit bildgebender Durchflusszytometrie – Techniken, die es ihnen ermöglichen, Gerinnselkomponenten zu visualisieren und viele einzelne Partikel automatisch zu messen. Sie färbten Plasmaproben auf amyloidähnliche Fibrinstrukturen und auf NET-Marker, quantifizierten die Signalintensität sowie die Partikelgrößenverteilung und führten multivariate Analysen – einschließlich maschinellem Lernen – durch, um zu sehen, welche Kombinationen die Patienten- und Kontrollproben am deutlichsten voneinander trennten. Die Bildgebung zeigte, dass NET-bezogene Proteine physisch mit dem fibrinösen Material assoziiert waren und nicht bloß im Plasma vorlagen.
Wichtige Vorbehalte
- Korrelation ist keine Kausalität. Die Studie zeigt einen klaren strukturellen und quantitativen Zusammenhang zwischen NET-Markern und Mikrothromben in Proben von Menschen mit Long COVID, aber sie beweist nicht, dass diese Strukturen die Erkrankung oder ihre Symptome verursachen. Sie könnten eine Folgeerscheinung anderer anhaltender Immun- oder Gefäßprozesse sein.
- Stichprobengröße und Verallgemeinerbarkeit. Die beschriebenen Kohorten sind von bescheidener Größe und wurden in spezifischen Forschungszentren rekrutiert; größere, geografisch vielfältige Kohorten werden benötigt, um zu bestätigen, wie allgemein gültig die Ergebnisse sind.
Wie sich dies in das Gesamtbild einfügt
Was Forscher als Nächstes sehen wollen
Die Replikation in größeren, unabhängigen Kohorten ist der offensichtliche nächste Schritt, idealerweise mit einer detaillierten klinischen Phänotypisierung, damit die Untersucher fragen können, ob bestimmte Symptomcluster (zum Beispiel kognitive Symptome gegenüber kardiorespiratorischen Beschwerden) mit der Mikrothromben-/NET-Belastung korrespondieren. Longitudinale Stichproben würden zudem helfen festzustellen, ob diese Strukturen fortbestehen, schwanken oder auf Interventionen reagieren. Schließlich könnten mechanistische Laborarbeiten – zum Beispiel die Prüfung, ob der Abbau von NETs den Zerfall von Mikrothromben in Ex-vivo-Modellen beschleunigt – das Feld von der Assoziation in Richtung Kausalität und therapeutischem Wirksamkeitsnachweis (Proof-of-Concept) bewegen.
Praktische Erkenntnisse für Patienten und Kliniker
Für Menschen, die mit Long COVID leben, ist die Studie ein weiterer biologischer Beleg dafür, dass die Erkrankung messbare, objektive Korrelate im Blut haben kann. Sie rechtfertigt zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Routinetests auf Mikrothromben außerhalb von Forschungseinrichtungen, noch befürwortet sie unbewiesene Off-Label-Therapien, die darauf abzielen, die Gerinnung oder die Immunfunktion ohne medizinische Aufsicht zu verändern. Kliniker und Patienten sollten diese Ergebnisse mit vorsichtigem Interesse betrachten: vielversprechend als Richtung, aber noch kein fertiger diagnostischer Test oder Behandlungspfad.
Die Entdeckung unterstreicht eine umfassendere Lektion, nämlich dass Long COVID wahrscheinlich multifaktoriell ist – vaskuläre, immunologische und neurologische Prozesse können bei verschiedenen Patienten in unterschiedlichem Maße beitragen – und dass vermutlich eine Kombination aus molekularen Tests und Bildgebung erforderlich sein wird, um Subtypen zu stratifizieren und die Behandlung zu leiten. Falls NET-stabilisierte Mikrothromben weiteren Untersuchungen standhalten, könnten sie zu einem dieser messbaren Subtypen werden.
Während Forscher diese Beobachtungen replizieren und erweitern, wäre das wertvollste Ergebnis die Entwicklung klarer, reproduzierbarer Assays, die eine messbare Blutsignatur mit einer Therapie verknüpfen, die die Symptomlast signifikant reduziert. Dieser Weg vom Labortisch zum Krankenbett wird Zeit, sorgfältige Studien und unabhängige Validierung erfordern, aber die neue Arbeit liefert eine konkrete Hypothese und eine Reihe experimenteller Parameter, die andere Gruppen testen können.
— Mattias Risberg ist ein in Köln ansässiger Wissenschafts- und Technologie-Reporter für Dark Matter. Er hält einen MSc in Physik und einen BSc in Informatik von der Universität zu Köln und berichtet über biomedizinische Forschung, Weltraumpolitik und datengestützte Untersuchungen.
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