Amazon forciert Aufholjagd gegenüber Starlink

Weltraum
Amazon Charges to Close Starlink Gap
Amazon Leo (ehemals Project Kuiper) sicherte sich diese Woche einen prestigeträchtigen Start mit der Ariane 64 sowie neue regulatorische Genehmigungen und beschleunigt damit das Vorhaben, den Vorsprung von SpaceX' Starlink zu verringern.

Amazon gibt Gas beim Aufholen gegenüber einem Konkurrenznetzwerk

Amazon gibt diese Woche Gas, um zu Starlink aufzuschließen: Ein spektakulärer Flug einer europäischen Ariane 64 am 12. Februar brachte 32 Seriensatelliten in eine erdnahe Umlaufbahn und verlieh Amazons LEO-Konstellation zusammen mit jüngsten nationalen Genehmigungen einen dringend benötigten Schub an Dynamik. Dieser zweifache Impuls – ein Schwerlaststart, der Dutzende von Breitbandsatelliten in Betrieb nahm, sowie neue Genehmigungen für das Bodensegment in Schlüsselmärkten – verringert den Abstand zum ausgereiften Starlink-Netzwerk von SpaceX und konkretisiert den Zeitplan für Amazons kommerzielle Offensive.

Die Mission der Ariane 64 von Kourou, Französisch-Guayana, war der Erstflug dieser Konfiguration mit vier Boostern und setzte die 32 Amazon-LEO-Einheiten etwa zwei Stunden nach dem Start aus. Dieser Start erhöht die Anzahl der operativen Satelliten und verschafft Amazon mehr Kapazität für Tests im Orbit sowie für den Netzausbau, gerade während Regulierungsbehörden in Europa und Lateinamerika Teile der Bodeninfrastruktur genehmigt haben.

Amazon gibt Gas beim Aufholen: Startdynamik und die Hardware-Story

Der jüngste Flug der Ariane 64 ist nicht nur wegen der transportierten Satelliten bemerkenswert, sondern auch wegen dessen, was er über die industrielle Choreografie hinter Amazon LEO aussagt. Die Ariane-64-Variante kann mehr als 20 Tonnen in den LEO befördern, und diese Mission markierte sowohl den ersten kommerziellen Kundenflug der Rakete als auch Amazons achte Startsequenz für Seriensatelliten der Konstellation – eine Kadenz, die Amazon beibehalten muss, um die Ausbauziele zu erreichen. Der Plan des Unternehmens sieht ein Netzwerk von insgesamt mehr als 3.200 LEO-Satelliten vor; die Regulierungsbehörden haben zudem feste Meilensteine für den Ausbau gesetzt, die Amazon dazu drängen, die Starts bis 2026 zu forcieren.

Amazons Ansatz kombiniert mehrere Startpartner mit eigener Fertigung: Die Satelliten werden in einer Hochdurchsatz-Anlage produziert und nutzen eine Mischung aus Trägersystemen – darunter die Ariane 6, New Glenn von Blue Origin, Raketen der United Launch Alliance und andere Anbieter –, um das Risiko zu streuen und die Startfrequenz hochzuhalten. Der Flug der Ariane 64 verschaffte Amazon eine Transportoption mit hoher Kapazität, welche die Anzahl der erforderlichen Starts zum Erreichen einer operativen Größe verringert – eine Effizienz, die entscheidend ist, wenn noch Millionen von Nutzerterminals und Gateway-Bereitstellungen unterstützt werden müssen.

Amazon gibt Gas beim Aufholen: Regulatorische Zulassungen und Märkte

Regulatorische Erfolge sind keine Formsache: Lizenzen legen fest, welche Frequenzen Amazon nutzen darf, wo Gateway-Stationen errichtet werden dürfen und wie lokale Mobilfunkbetreiber Satellitenkapazitäten weiterverkaufen oder in terrestrische Netze integrieren können. Sie sind zudem an Bedingungen zur Vermeidung von Weltraummüll, zu Funkstörungen und zu Zeitplänen für den Rollout geknüpft – das bedeutet, dass die bisherigen Genehmigungen für Amazon zwar operativ bedeutsam sind, aber keinen bedingungslosen Freibrief für einen sofortigen, weltweiten Dienst darstellen.

Wettbewerb mit Starlink und Performance in der Praxis

Wie will Amazon LEO mit Starlink konkurrieren? Kurz gesagt: durch Skalierung, Integration und Preisvorteile. Amazon entwickelt eine Konstellation und eine Familie von Nutzerterminals, die ein breites Spektrum an Anwendungsfällen abdecken (Privatpersonen, Unternehmen und mobiler Einsatz) und beabsichtigt, die Satellitenanbindung in seine umfassenden Cloud- und Betreiberpartnerschaften zu integrieren. Frühe Labor- und Feldtests deuten darauf hin, dass Amazons Hochkapazitätssatelliten und Terminaldesigns Hunderte von Megabit pro Sekunde und in Testaufbauten sogar Verbindungen der Gigabit-Klasse erreichen können – doch diese Spitzenwerte stammen aus kontrollierten Tests und werden von der Kapazität im Orbit, dem Backhaul und der Art und Weise abhängen, wie Amazon die Bandbreite zuteilt.

Die heute öffentlich beobachtete Performance von Starlink liegt für viele Privatnutzer typischerweise im Bereich von niedrigen dreistelligen Megabit-Zahlen pro Sekunde bei Latenzzeiten von etwa 20–50 Millisekunden – Werte, welche die Kundenerwartungen an LEO-Breitband geprägt haben. Um Kunden zu gewinnen, muss Amazon diese Leistungs- und Preispunkte erreichen oder unterbieten und gleichzeitig einen berechenbaren Dienst während der Spitzenzeiten gewährleisten. Das ist ein Kraftakt: Starlinks Vorteil liegt nicht nur in den Satelliten, sondern in einer großen, operativen Flotte und Millionen von Terminals, die bereits im Einsatz sind.

Technische und kommerzielle Hürden

Mehrere technische und regulatorische Hürden werden den Wettbewerb prägen. Die Frequenzkoordination und die Standortwahl für Gateways bleiben in vielen Ländern umstritten; Regulierungsbehörden fordern Kontrollen gegen Funkstörungen und Notfallpläne für das Management des Orbitalverkehrs. Amazon steht zudem vor Herausforderungen in der Lieferkette und bei der Skalierung der Fertigung für Terminals und Gateways und muss sich mit lokalen Telekommunikationsanbietern zusammentun, wo Partnerschaften im Bodensegment erforderlich sind, um Anwendungsfälle für Unternehmen und mobiles Backhaul zu erschließen. Schließlich spielt die Wirtschaftlichkeit pro Einheit eine Rolle: Kostenziele für Nutzerterminals und monatliche Preise werden darüber entscheiden, ob Amazon die Angebote von Starlink unterbieten oder lediglich mit ihnen gleichziehen kann. Branchenberichte deuten darauf hin, dass Amazon kostengünstigere Terminal-Designs vorantreibt und Partnerschaften mit Telekommunikationsunternehmen anstrebt, um die Hürden bei der Kundenakquise zu verringern, offizielle Preispläne wurden jedoch noch nicht bekannt gegeben.

Was als Nächstes zu erwarten ist und warum es wichtig ist

Praktisch gesehen ist mit weiteren Massenstarts bis 2026 und einem gestuften kommerziellen Zeitplan zu rechnen. Amazon sieht sich einer Lizenzbedingung und einem Zeitplan gegenüber, die das Unternehmen dazu drängen, bis Mitte 2026 etwa die Hälfte der Konstellation im Orbit zu haben – eine feste Frist, die den Aktivitätsschub und die Suche nach Startplätzen mit hoher Kapazität erklärt. Wenn Amazon die Kadenz beibehält, werden die kommenden Monate zeigen, ob diese Satelliten in großem Maßstab in nutzbare Kapazität umgewandelt werden können und ob die nationalen Regulierungsbehörden mit den Marktzulassungen Schritt halten.

Das Ergebnis ist über die Wahlfreiheit der Verbraucher hinaus von Bedeutung. Ein leistungsfähigerer Wettbewerb im LEO-Bereich könnte die Preise für Breitband im ländlichen Raum senken, Mobilfunkbetreibern neue Backhaul-Optionen bieten und etablierte Anbieter dazu zwingen, ihre Dienste zu verbessern. Gleichzeitig erhöht das Hinzufügen von Tausenden von Satelliten die Dringlichkeit eines robusten Weltraumverkehrsmanagements und gemeinsamer Regeln für die Frequenznutzung. Für politische Entscheidungsträger und Betreiber ist die unmittelbare Nutzen-Risiko-Abwägung klar: Ein schnellerer Ausbau verspricht größeren gesellschaftlichen Nutzen, verschärft jedoch die Situation in einem überfüllten orbitalen Umfeld, das einer besseren internationalen Governance bedarf.

Quellen

  • Arianespace (Bericht des Startbetreibers zur Mission Ariane 6 / Ariane 64)
  • Europäische Weltraumorganisation (ESA) (Dokumentation zum Ariane-6-Programm)
  • Ofcom (Genehmigungen für Erdfunkstellen und Frequenzen im Vereinigten Königreich)
  • Agência Nacional de Telecomunicações — Anatel (Gerätehomologation in Brasilien)
  • ARCEP (französische Frequenz- und Zugangsentscheidungen)
  • Federal Communications Commission (Lizenzierung und Meilensteine der Kuiper/LEO-Konstellation)
Mattias Risberg

Mattias Risberg

Cologne-based science & technology reporter tracking semiconductors, space policy and data-driven investigations.

University of Cologne (Universität zu Köln) • Cologne, Germany

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Leserfragen beantwortet

Q Was ist Amazons Projekt Kuiper und wie soll es mit Starlink konkurrieren?
A Amazons Projekt Kuiper ist ein geplantes Satelliten‑Breitbandnetz mit rund 3.236 Low‑Earth‑Orbit‑(LEO‑)Satelliten, das weltweit schnellen Internetzugang – insbesondere in unterversorgten und ländlichen Regionen – bereitstellen soll. Wie Starlink setzt Kuiper auf ein dichtes LEO‑Netz mit kompakten Nutzerterminals für Privatkunden, Unternehmen und mobile Anwendungen und will so mit hohen Bandbreiten, niedriger Latenz und enger Anbindung an Amazons Cloud‑Infrastruktur (AWS) direkt mit Starlink konkurrieren.
Q Wann plant Amazon, Kuiper-Satelliten zu starten und den Dienst anzubieten?
A Kuiper hat bereits mehr als 100 operationelle Satelliten im Orbit, und Amazon peilt über 200 Satelliten bis Ende 2025 an. Laut Unternehmensangaben soll der kommerzielle Dienst bis Ende des ersten Quartals 2026 in fünf Ländern starten: USA, Kanada, Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Bis Ende 2026 will Amazon den Dienst auf etwa 26 Länder ausweiten und bis 2028 mit über 3.000 Satelliten nahezu globale Abdeckung in 88 bis 100 Ländern erreichen, während die FCC‑Lizenz verlangt, dass etwa die Hälfte der 3.236 Satelliten bis Juli 2026 gestartet ist.
Q Wie lassen sich Internetgeschwindigkeiten und Latenzzeiten zwischen Starlink und Amazon Kuiper vergleichen?
A Typische Starlink‑Tarife für Privatkunden liefern laut externen Vergleichen etwa 45–280 Mbit/s im Download, 10–30 Mbit/s im Upload und Latenzen von ungefähr 25–60 ms, während High‑End‑Kits deutlich höhere Spitzenraten erreichen können. Kuiper zielt auf rund 100 Mbit/s für sehr kompakte Terminals, bis zu 400 Mbit/s für Standard‑Kundenterminals und bis zu etwa 1 Gbit/s (teilweise sogar darüber) für Enterprise‑Terminals; Tests berichten von mehr als 1 Gbit/s Downlink pro Verbindung. Beide Systeme nutzen LEO‑Orbits und streben Latenzzeiten im Bereich von etwa 20–40 ms an, wobei Starlink heute bereits reale Werte zeigt und Kuiper seine tatsächliche Performance erst mit wachsender Satellitenzahl und Kundenzahl beweisen muss.
Q Welche regulatorischen und spektrumsbezogenen Herausforderungen muss Amazon für Kuiper bewältigen?
A Amazon muss seine FCC‑Genehmigung für 3.236 LEO‑Satelliten erfüllen, die vorschreibt, dass etwa die Hälfte der Konstellation bis Juli 2026 und der Rest bis 2029 im All sein muss, um die Lizenz zu behalten. Zusätzlich muss Kuiper die Koordination und den Schutz seiner Ka‑ und Ku‑Band‑Frequenzen gegenüber anderen Nicht‑Geostationären Satellitensystemen (NGSO FSS) sicherstellen und internationale ITU‑Regeln zu Interferenz, Spektrums‑Sharing und Aggregate‑Störungen einhalten. In jedem Zielland braucht Amazon außerdem nationale Zulassungen für Funkfrequenzen, Bodenstationen und Nutzerterminals; rechtliche Auseinandersetzungen wie die Anfechtung der Kuiper‑Frequenzzuteilung durch eine Gewerkschaft in Frankreich zeigen, dass nationale Genehmigungen politisch und rechtlich umkämpft sein können.
Q Wird Amazon Kuiper günstiger sein als Starlink, und welche Preise könnten die Kunden erwarten?
A Konkrete Endkundenpreise für Kuiper hat Amazon bislang nicht veröffentlicht; stattdessen betont das Unternehmen, dass die Nutzerterminals so konstruiert sind, dass die Herstellungskosten bei etwa 400 US‑Dollar oder darunter liegen sollen, um die Einstiegshürde zu senken. Branchenanalysten gehen davon aus, dass Amazon Kuiper die Monatspreise ungefähr auf Starlink‑Niveau oder etwas darunter ansetzen wird, mit Privatkundentarifen im Bereich von einigen Dutzend bis niedrigen Hunderten Dollar/Euro pro Monat und höheren Preisen für Business‑, Regierungs‑ und Mobilitätsangebote. Solange Amazon keine offiziellen Tarife veröffentlicht, bleiben alle konkreten Preisangaben im Vergleich zu Starlink jedoch Schätzungen und können je nach Land – etwa in Deutschland oder der EU – unterschiedlich ausfallen.

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