Das humanoide Kampfwettrennen des Pentagons umgeht die Generäle

Robotik
The Pentagon’s Humanoid Combat Sprint Is Bypassing the Generals
Das Silicon-Valley-Startup Foundation Future Industries strebt an, innerhalb von 18 Monaten humanoide Kampfroboter einzusetzen, wobei es auf Gefechtsfelddaten aus der Ukraine und hochrangige politische Verbindungen zurückgreift.

In einem schlammigen Versorgungsschützengraben außerhalb von Kyiv sieht die Zukunft der Infanteriekriegsführung weniger nach einem Supersoldaten aus, sondern eher nach einem zerbrechlichen, zweibeinigen Prototyp, der sich mit einer Munitionskiste abmüht. Der Phantom MK-1, ein humanoider Roboter, der von dem erst zwei Jahre alten Startup Foundation Future Industries (FFI) entwickelt wurde, liefert bereits heimlich Nachschub unter russischem Beschuss. Es handelt sich nicht um eine Labordemonstration; es ist ein Beta-Test unter realen Gefechtsbedingungen für eine Maschine, von der ihre Schöpfer behaupten, dass sie in weniger als 18 Monaten für den US-Frontkämpfeinsatz bereit sein wird.

Während der MK-1 derzeit als High-Tech-Lastesel fungiert, ist der kommende Phantom 2 für deutlich aggressivere Profile konzipiert. Unternehmensbriefings zufolge wird die nächste Iteration die Nutzlastkapazität ihres Vorgängers verdoppeln und über verstärkte Gelenke verfügen, die in der Lage sind, in den mit Trümmern übersäten Treppenhäusern und engen Korridoren städtischer Kampfgebiete zu navigieren – Räume, in denen rad- oder kettengetriebene Drohnen häufig stecken bleiben. Für das Pentagon, das zunehmend von einer „KI-First-Streitmacht“ besessen ist, liegt der Reiz auf der Hand: ein Roboter, der menschliche Werkzeuge benutzen, menschliche Fahrzeuge fahren und menschliche Gebäude räumen kann, ohne dass die bestehende logistische Infrastruktur komplett umgestaltet werden muss.

Die politische Maschinerie einer 24-Millionen-Dollar-Abkürzung

Innovationen im Verteidigungssektor basieren selten allein auf Leistung, und der rasante Aufstieg von FFI hat ebenso viel mit den Machtdynamiken in Washington zu tun wie mit Sensorfusion. Das Startup hat sich bereits Pentagon-Verträge in Höhe von 24 Millionen Dollar gesichert – eine Leistung, für die ein erst 2024 gegründetes Unternehmen normalerweise Jahre an Lobbyarbeit benötigt. Ein Großteil der Kritik an dieser Beschleunigung konzentriert sich auf den Beirat des Unternehmens, dem bemerkenswerterweise Eric Trump angehört. Diese Verbindung hat einen technischen Meilenstein zu einem parteipolitischen Zankapfel im US-Senat gemacht.

Senatorin Elizabeth Warren hat die Vereinbarung bereits als „offensichtliche Korruption“ bezeichnet und hinterfragt, wie es ein brandneues Unternehmen geschafft hat, sich bei der Vergabe sensibler Verteidigungsgelder vorzudrängeln. Aus Brüsseler oder Berliner Sicht wirkt dies wie die amerikanische „Drehtür“-Politik par excellence auf Steroiden. In der Europäischen Union, wo der AI Act und strenge Transparenzregeln bei der Auftragsvergabe hohe Eintrittsbarrieren schaffen, würde eine solch schnelle Verbindung zwischen politischen Nachfahren und tödlichen autonomen Systemen für ein Jahrzehnt in Ethikkommissionen feststecken. In den USA hingegen scheint die Angst, gegenüber Chinas schnell voranschreitendem Robotiksektor ins Hintertreffen zu geraten, traditionelle Kontrollbedenken zu überlagern.

Pathak hat sich lautstark zu diesem geopolitischen Wettlauf geäußert und FFI als inländisches Bollwerk gegen chinesische Hersteller wie Unitree oder UBTECH gerahmt, die den kommerziellen Markt mit immer leistungsfähigeren zweibeinigen Systemen fluten. Das Argument lautet: Wenn der Westen jetzt keinen kampfbereiten Humanoiden ins Feld schickt, wird er gezwungen sein, gegen solche zu kämpfen. Es ist ein überzeugendes Narrativ für eine Pentagon-Führung, die der schwerfälligen „Primes“ – der Lockheeds und Boeings dieser Welt – überdrüssig ist, da diese oft Schwierigkeiten haben, moderne KI-Software in ihre Altsysteme zu integrieren.

Kann ein zweibeiniger Roboter einen Schützengraben tatsächlich überleben?

Jenseits des politischen Theaters liegt eine zermürbende technische Realität: Zweibeinige Fortbewegung ist ein energieintensiver Albtraum. Jahrzehntelang herrschte unter Militäringenieuren Konsens darüber, dass vier Beine (Vierbeiner wie Spot von Boston Dynamics) oder Räder auf dem Schlachtfeld überlegen seien. Sie sind stabiler, haben einen niedrigeren Schwerpunkt und verbrauchen deutlich weniger Energie. Die humanoide Form ist von Natur aus instabil; wenn ein Phantom MK-1 einen Motor im Knöchel verliert, wird er zu einem 150 Kilogramm schweren Briefbeschwerer. Wenn ein Panzer eine Kette verliert, bleibt er ein befestigter Unterstand.

Ingenieure, die mit den Tests in der Ukraine vertraut sind, deuten darauf hin, dass die größte Herausforderung nicht nur die Fortbewegung, sondern die „Edge“-Verarbeitung ist. Um in einer Umgebung ohne GPS und mit elektronischen Störsignalen wie im Donbas operieren zu können, kann sich ein Humanoid nicht auf ein Cloud-basiertes Gehirn verlassen. Er muss über genügend Onboard-Rechenleistung verfügen, um in Echtzeit einen Stolperdraht oder einen Kellereingang zu erkennen – und das alles bei einer Akkulaufzeit, die derzeit in Stunden, nicht in Tagen gemessen wird. FFI setzt auf „agentische KI“ – Systeme, die zu autonomer Recherche und taktischer Entscheidungsfindung fähig sind –, aber der Sprung aus einem sauberen Serverraum in einen nassen, eiskalten Schützengraben ist ein Schritt, von dem viele in der Branche glauben, dass er weit länger als die versprochenen 18 Monate dauern wird.

Es stellt sich auch die Frage nach dem Kosten-Verlust-Verhältnis. Die Ukraine hat bewiesen, dass die effektivsten Roboter oft die billigsten sind – aus Plastik und Klebeband gefertigte First-Person-View (FPV)-Drohnen, die 500 Dollar kosten und einen millionenteuren Panzer ausschalten können. Ein hochentwickelter humanoider Roboter, der pro Einheit wahrscheinlich Hunderttausende Dollar kostet, stellt ein hochkarätiges Ziel für den Feind dar. Wenn FFI nicht nachweisen kann, dass diese Maschinen mit der Effizienz einer Unterhaltungselektronikfabrik massenproduziert werden können, riskieren sie, teure Kuriositäten zu werden, statt der „lautlosen Todesbringer“, die das Marketing verspricht.

Die europäische Zurückhaltung und die industrielle Lücke

Während die USA auf zweibeinige Kampfsysteme zusteuern, bleibt Europa in der Debatte um „Killerroboter“ grundlegend gespalten. Insbesondere die deutsche Verteidigungspolitik steht der Idee vollautonomer tödlicher Systeme seit Langem ablehnend gegenüber und bevorzugt einen „Human-in-the-Loop“-Ansatz, der technische Integrationen oft verlangsamt. Die industrielle Realität ist jedoch, dass Europas Robotik-Expertise weitgehend im Automobilsektor isoliert ist. Als der CEO von Kia kürzlich Pläne zur Stationierung des humanoiden Atlas-Roboters in US-Fabriken ab 2029 ankündigte, signalisierte dies einen Wandel: dieselbe Hardware, die in der Ukraine für den Krieg getestet wird, wird für die Fließbänder der Zukunft vorbereitet.

Die Lieferkette für diese Roboter bleibt eine kritische Schwachstelle, die weder Washington noch Brüssel vollständig gelöst haben. Die für die zweibeinige Balance erforderlichen hochdrehenden Aktuatoren und spezialisierten Seltenerdmagnete werden von asiatischen Lieferanten dominiert. Wenn FFI plant, wie von Pathak vorgeschlagen, auf Tausende von Einheiten zu skalieren, werden sie auf dieselben Engpässe bei Halbleitern und Rohstoffen stoßen, die bereits die europäische Elektrofahrzeugindustrie geplagt haben. Für Mattias Risberg, der das Geschehen von den Technologiezentren an Rhein und Ruhr aus beobachtet, ist die Ironie offensichtlich: Die USA nutzen politische Abkürzungen, um die Soldaten von morgen zu bauen, während Europa noch versucht zu entscheiden, welche Richtlinie das Lithium in ihren Batterien reguliert.

Die 18-Monats-Frist für den US-Kampfeinsatz ist wahrscheinlich eher ein Marketing-Anker als ein hartes Lieferdatum. Sie dient dazu, den Zufluss von VC-Geldern aufrechtzuerhalten und das Interesse des Pentagons zu wecken. Aber die Tatsache, dass diese Maschinen bereits Kisten durch ukrainischen Schlamm ziehen, deutet darauf hin, dass die Ära des „Humanoiden als Spielzeug“ vorbei ist. Wir sind in die Ära des Humanoiden als Nutzwert und letztlich des Humanoiden als Kombattanten eingetreten. Ob sie tatsächlich ein Gebäude besser räumen können als eine gut ausgebildete Einheit von Marines, bleibt unbewiesen – doch im aktuellen Klima der industriellen Kriegsführung scheint das Pentagon bereit zu sein, 24 Millionen Dollar zu zahlen, nur um das herauszufinden.

Washington hat den Ehrgeiz. Foundation hat die politischen Kontakte. Jetzt müssen sie nur noch eine Batterie finden, die länger hält als ein Feuergefecht.

Mattias Risberg

Mattias Risberg

Cologne-based science & technology reporter tracking semiconductors, space policy and data-driven investigations.

University of Cologne (Universität zu Köln) • Cologne, Germany

Readers

Leserfragen beantwortet

Q Was ist der Hauptzweck des Phantom MK-1 und seines Nachfolgers, des Phantom 2?
A Der Phantom MK-1 ist ein zweibeiniger humanoider Roboter, der derzeit in der Ukraine im Feldtest eingesetzt wird, um Nachschub durch Versorgungsschützengräben zu liefern. Sein Nachfolger, der Phantom 2, wird für aggressivere Kampfeinsätze entwickelt und verfügt über eine verdoppelte Nutzlastkapazität sowie verstärkte Gelenke. Diese Maschinen sind darauf ausgelegt, komplexe städtische Umgebungen wie schuttbedeckte Treppenhäuser und enge Korridore zu navigieren, die für herkömmliche rad- oder kettenbetriebene Drohnen oft erhebliche Mobilitätshürden darstellen.
Q Warum prüfen Gesetzgeber die an Foundation Future Industries vergebenen Pentagon-Aufträge?
A Foundation Future Industries hat Pentagon-Aufträge im Wert von rund 24 Millionen US-Dollar erhalten, obwohl das Unternehmen erst 2024 gegründet wurde. Diese schnelle Auftragsvergabe stieß bei Politikern wie Senatorin Elizabeth Warren auf Kritik, die die Aufnahme von Eric Trump in den Beirat des Unternehmens als potenziellen Interessenkonflikt anführte. Kritiker argumentieren, dass das Start-up möglicherweise die traditionelle Aufsicht und die langwierigen Lobbyprozesse umgeht, die normalerweise für sensible Verteidigungsfinanzierungen erforderlich sind.
Q Welche technischen Vorteile bieten humanoide Roboter gegenüber ketten- oder radbetriebenen Drohnen im Kampfeinsatz?
A Der Hauptvorteil humanoider Roboter liegt in ihrer Fähigkeit, sich in bestehende Infrastrukturen zu integrieren, ohne dass logistische Systeme umgestaltet werden müssen. Da sie eine menschliche Silhouette aufweisen, können diese Roboter menschliche Werkzeuge bedienen, Standardfahrzeuge fahren und Gebäude navigieren, die für Menschen konzipiert wurden. Diese Vielseitigkeit ermöglicht es dem Militär, autonome Systeme in unterschiedlichsten Umgebungen einzusetzen, in denen spezialisierte Ketten- oder Radroboter bei Hindernissen wie Treppen oder engen Türen an ihre Grenzen stoßen könnten.
Q Welches sind die größten technischen Hürden für den Einsatz zweibeiniger Roboter in aktiven Kriegsgebieten?
A Zweibeinige Roboter stehen vor großen Herausforderungen in Bezug auf Energieeffizienz und Stabilität, da sie von Natur aus weniger stabil sind als vierbeinige oder radbetriebene Plattformen. Der Einsatz in modernen Kampfgebieten erfordert zudem fortschrittliche Edge-Computing-Lösungen, um in GPS-gestörten oder elektronisch blockierten Umgebungen ohne Cloud-Zugang zu funktionieren. Darüber hinaus machen die hohen Herstellungskosten dieser Einheiten sie zu wertvollen Zielen im Vergleich zu den kostengünstigen Wegwerfdrohnen, die derzeit die abnutzungsbasierte Kriegsführung in Regionen wie der Ukraine dominieren.

Haben Sie eine Frage zu diesem Artikel?

Fragen werden vor der Veröffentlichung geprüft. Wir beantworten die besten!

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!