Blick in die Kabine: Was die Artemis-Astronauten essen, während sie weiter fliegen als je ein Mensch zuvor
Am 1. April 2026, als die Orion-Kapsel die Erde verließ und in den langen Bogen Richtung Mond einschwenkte, schlossen vier Personen eine Luke, und eine sehr spezielle Einkaufsliste trat ihren Dienst an: drei Mahlzeiten am Tag, ein Bestand von 189 verschiedenen Artikeln und eine Handvoll Würzmittel, die dazu ausgewählt wurden, die Moral in einer kleinen, luftdicht versiegelten Blechdose ohne Kühlschrank hochzuhalten. Die Artemis-Astronauten essen wie eine kompakte, gut geplante Campinggruppe – außer dass der Campingplatz ein Raumschiff ist und einer der Snacks aus gegrillter Rinderbrust (Beef Brisket) besteht.
Was die Artemis-Astronauten essen: Tagesrhythmus und das 189 Artikel umfassende Menü
An gewöhnlichen Missionstagen folgt die Crew einem vertrauten Zeitplan: Frühstück, Mittag- und Abendessen haben jeweils ihren Platz im Flugplan, und die Speisen müssen in der Mikrogravitation einfach zuzubereiten und zu verzehren sein. Die Auswahl an Getränken ist aufgrund von Gewichts- und Volumenbeschränkungen bewusst begrenzt; den Astronauten stehen neben Wasser zwei aromatisierte Getränke pro Tag zu – zu den Optionen gehören Kaffee, grüner Tee, Smoothies und verschiedene Frühstücksgetränke. Das vollständige, Crew-spezifische Menü umfasst 189 verschiedene Artikel, von Tortillas und Müsli bis hin zu Macaroni and Cheese und Butternusskürbis.
Diese Zahl – 189 verschiedene Artikel – klingt großzügig, bis man sich die Einschränkungen vor Augen führt: Die Orion kann unterwegs nicht neu beliefert werden, es gibt keine Kühlung, und einige Lebensmittel müssen rehydriert werden, was erst möglich ist, wenn der Trinkwasserspender verfügbar ist. Die Missionsplaner wägen daher Vielfalt gegen Haltbarkeit, Krümelbildung und Verpackungsvolumen ab. Ziel ist es, die Besatzung satt, hydriert und psychisch stabil zu halten, ohne die Kabinenumgebung zu gefährden.
Wie die Artemis-Astronauten essen: Erhitzen, Rehydrieren und Zubereitung bei Schwerelosigkeit
Das Verpflegungssystem der Orion ist bewusst einfach gehalten. Viele Artikel sind verzehrfertig oder thermostabilisiert; andere sind gefriergetrocknet und werden mit dem Trinkwasserspender der Orion rehydriert. Wenn Wärme gewünscht ist, nutzt die Crew einen kompakten Speisenwärmer im Aktenkofferformat, um Schalen oder Beutel zu erhitzen – es gibt keinen Konvektionsofen, keinen Kühlschrank und keinen Last-Minute-Einkauf. Diese Systeme sind so konzipiert, dass sie innerhalb der begrenzten Leistungs-, Volumen- und Luftfiltrationsspielräume der Orion funktionieren, damit eine erwärmte Mahlzeit keine Krümel, Verschüttungen oder Dämpfe erzeugt, die die Ausrüstung beeinträchtigen könnten.
In der Praxis bedeutet das, dass die Mahlzeiten in Etappen zubereitet werden: Die Crewmitglieder wählen aus vorverpackten Beuteln, geben bei Bedarf heißes oder zimmertemperiertes Wasser über den Trinkwasserspender hinzu und legen den Beutel dann kurz in den Speisenwärmer, falls ein warmes Gericht gewünscht wird. Während kritischer Flugphasen wie Start und Wiedereintritt – wenn der Trinkwasserspender nicht zur Verfügung steht – isst die Besatzung nur verzehrfertige Artikel, die nicht rehydriert werden müssen. Dies ist eine kleine, aber wichtige Choreografie, die sowohl das Menü als auch den Tagesablauf prägt.
Fünf scharfe Saucen und die Psychologie des Geschmacks im tiefen Weltraum
Das vielleicht menschlichste Detail auf der Packliste ist das Vorhandensein von fünf verschiedenen scharfen Saucen. Die Marken selbst wurden nicht veröffentlicht, und die genauen Flaschen an Bord sind zu einem Nebenschauplatz für Internet-Detektive geworden; operativ entscheidend ist die Entscheidung, verschiedene Arten von Schärfe mitzuführen. Scharfe Würzmittel sind leicht, haltbar und hocheffektiv darin, fade oder texturmäßig eingeschränkte Mahlzeiten zu personalisieren – ein winziges Glas kann einen routinemäßigen Beutelinhalt in etwas verwandeln, das sich wie ein normaler, tröstlicher Bissen anfühlt.
Lebensmittelingenieure und Fliegerärzte wissen, dass der Geschmack für Appetit und Moral wichtig ist, insbesondere bei Missionen, in denen die sensorische Umgebung eingeschränkt ist. Die scharfen Saucen stehen neben anderen Geschmacksverbesserern – Ahornsirup, Erdnuss- und Mandelbutter, Senf, Marmelade und Zimt –, die sparsam eingesetzt werden, um die Mahlzeiten dem individuellen Geschmack anzupassen und dafür zu sorgen, dass sich die gemeinsamen Mahlzeiten vertraut anfühlen. Das Detail mit der scharfen Sauce verrät auch ein wenig über die kulturelle Absicherung: In einer vierköpfigen Crew, die sich aus NASA- und CSA-Mitgliedern (Canadian Space Agency) zusammensetzt, geben die Würzmittel jedem Crewmitglied die Möglichkeit, seinen Teller als „meinen“ zu markieren.
Wie die NASA über das Menü entschied: Tests, Beschränkungen und Crew-Input
Das Menü ist keine willkürliche Einkaufsliste. Das Johnson Space Center der NASA arbeitete monatelang mit Lebensmittelexperten und der Crew an Verkostungen und Kompromissen: Jeder Artikel musste die Kriterien für Haltbarkeit, Nährwert, Sicherheit in einer geschlossenen Kabine und die pragmatischen Anforderungen der Mikrogravitation (wenig Krümel, kaum Aerosole) erfüllen. Die Lebensmittel für jedes Crewmitglied für zwei bis drei Tage sind zusammen in einzelnen Behältern verpackt, um Flexibilität zu bieten, ohne die Komplexität während der Mission zu erhöhen. Die Crewmitglieder haben die Optionen lange vor dem Start probiert und bewertet, aber die endgültigen Manifeste sind durch das begrenzt, was die Orion sicher lagern und zubereiten kann.
Dieser Prozess erklärt einige der Kuriositäten, die man in Pressekopien des Manifests sieht – Angaben wie 58 Tortillas oder eine festgelegte Anzahl von Kaffeeportionen sind kein PR-Gerede; es sind Inventarentscheidungen, die durch Kalorienbedarf, Crew-Präferenzen und Verpackungsgeometrie getrieben werden. Das Ergebnis ist ein Menü, das eher auf Zuverlässigkeit als auf kulinarische Wagnisse optimiert ist, obwohl das Vorhandensein von Süßigkeiten, Puddings und scharfen Saucen zeigt, dass die NASA den Appetit immer noch als missionskritischen Punkt betrachtet.
Eine kleine internationale Anmerkung und warum dies für zukünftige europäische und deutsche Pläne wichtig ist
Die Crew besteht aus drei NASA-Astronauten und einem Astronauten der Canadian Space Agency, was subtil widerspiegelt, wie internationale Partnerschaften bereits die alltäglichsten Teile von Missionen prägen – etwa wer welches Sandwich bekommt. Für europäische und deutsche Raumfahrtplaner, die Artemis beobachten, ist die Geschichte der Verpflegung eine Erinnerung daran, dass Deep-Space-Systeme nicht nur aus Raketen und Instrumenten bestehen; sie sind auch Lieferketten und Verpackungsindustrien. Wenn Europa einen größeren industriellen Fußabdruck in der dauerhaften bemannten Raumfahrt hinterlassen will, sind die Logistik thermostabilisierter Lebensmittel, zertifizierte Verpackungen und Lieferverträge für haltbare Waren genau die Art von stillen Kompetenzen, auf die es ankommen wird. Das Orion-Menü ist ein nützlicher, schmackhafter Stellvertreter für diese industriellen Strukturen.
Was ungewiss bleibt – und ein praktischer Nachsatz
Es bleiben noch kleine Geheimnisse. Die NASA hat zwar das Menü und die übergeordneten Rahmenbedingungen veröffentlicht, aber die genauen Marken der fünf scharfen Saucen und welches Crewmitglied welche Sorte bevorzugt, bleiben den sozialen Medien der Astronauten und einem späteren Debriefing vorbehalten. Diese Ungewissheit ist in Ordnung: Der Punkt ist nicht, ob Missionsspezialist A zum Team Sriracha oder zum Team Smoky Chipotle gehört, sondern dass Essen eine soziale Technologie bleibt, selbst wenn man 400.000 Kilometer vom nächsten Supermarkt entfernt ist.
Vorerst essen die Artemis-Astronauten eine sorgfältig kuratierte Kombination aus Wissenschaft, Logistik und Vorliebe – haltbare Ingenieurskunst mit einer Prise Heimatgeschmack. Das hält sie satt, bringt sie durch Missionsphasen, in denen keine Rehydrierung möglich ist, und gibt ihnen einen winzigen, menschlichen Vorteil: einen vertrauten Bissen, der einer Crew hilft, konzentriert, kooperativ und gesund zu bleiben, wenn der Mond das Fenster ausfüllt. Es ist zu erwarten, dass die Interviews nach dem Flug die großen Fragen beantworten – und dass mindestens einer von ihnen erklärt, welche scharfe Sauce die letzte Tortilla abbekommen hat.
Quellen
- NASA (Artemis II: What’s on the Menu? — Johnson Space Center Office of Communications)
- NASA Answers Your Most Pressing Artemis II Questions
- Space-Journalismus-Berichterstattung über das Crew-Menü und das Missionsinventar von Artemis II
- Canadian Space Agency (Beteiligung der Crew und Missionskontext)
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!