Artemis 2 kehrt zur Startrampe zurück – NASA visiert bemannte Mission im April an
Die NASA hat die Artemis 2-Rakete des Space Launch System (SLS) und das Orion-Raumschiff erfolgreich zum Launch Complex 39B am Kennedy Space Center zurückgebracht und damit die letzte Phase der Vorbereitungen für die erste bemannte Mission des Artemis-Programms eingeleitet. Die mobile Startplattform verließ das Vehicle Assembly Building (VAB) am 20. März 2026 um 00:20 Uhr Ortszeit (Eastern Time) und schloss die vier Meilen lange Reise zur Rampe 11 Stunden später ab. Dieser entscheidende Schritt positioniert die Behörde für einen mit Spannung erwarteten Startversuch bereits am 1. April, nachdem es zuvor eine Reihe technischer Verzögerungen und Hardware-Korrekturen gegeben hatte.
Warum wurde die Artemis 2-Rakete in das Vehicle Assembly Building zurückgerollt?
NASA-Techniker rollten die Artemis 2-Rakete in das VAB zurück, um eine kritische Blockade des Heliumflusses zu beheben, die in der Oberstufe des Fahrzeugs festgestellt worden war. Ingenieure identifizierten, dass eine verrutschte Dichtung in einer Schnellkupplungsleitung den Heliumfluss in die Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS) behinderte. Dieses Manöver ermöglichte es den Teams, auf interne Komponenten zuzugreifen und die fehlerhaften Dichtungen zu ersetzen, um sicherzustellen, dass das Antriebssystem für den bevorstehenden bemannten Flug sicher funktioniert.
Die Entscheidung, das 322 Fuß hohe Fahrzeug ins VAB zurückzubringen, wurde am 21. Februar getroffen, nur einen Tag nachdem die NASA ursprünglich einen Starttermin im März ins Auge gefasst hatte. Die Heliumblockade wurde als „Showstopper“ für die Flugsicherheit eingestuft, da Helium für die Druckbeaufschlagung der Treibstofftanks und den Betrieb der Ventile während des Aufstiegs der Mission unerlässlich ist. Während des einmonatigen Aufenthalts im VAB ersetzten die Ingenieure nicht nur die verrutschte Dichtung, sondern führten am 12. März auch ein umfassendes Flight Readiness Review durch, das schließlich die Freigabe für die Rückkehr des Fahrzeugs zur Rampe erteilte.
Welche Probleme verzögerten Artemis 2 von Februar auf April?
Die Hauptgründe für die Verzögerung von Artemis 2 waren eine Kombination aus Fehlern an der Helium-Hardware und Lecks an flüssigem Wasserstoff, die während der „Wet Dress Rehearsal“-Betankungstests festgestellt wurden. Während die Heliumblockade ein Zurückrollen erforderlich machte, kämpfte die NASA Anfang Februar auch mit hartnäckigen Wasserstofflecks an der Startrampe. Diese technischen Hürden machten eine Verschiebung des Startplans vom ursprünglichen Fenster am 6. März auf die aktuelle Eröffnung am 1. April erforderlich, um sicherzustellen, dass alle Lebenserhaltungs- und Antriebssysteme vollständig validiert waren.
Lori Glaze, die amtierende stellvertretende Administratorin der NASA für die Entwicklung von Explorationssystemen, betonte, dass die Behörde einem „sauberen“ Countdown für die nächste Phase Vorrang einräumt. NASA-Vertreter bestätigten, dass sie nicht beabsichtigen, vor dem eigentlichen Starttag einen weiteren Betankungstest durchzuführen. „Aus meiner Sicht möchte ich, dass wir das Fahrzeug das nächste Mal an einem Tag betanken, an dem wir tatsächlich starten können“, erklärte Glaze während eines Briefings am 12. März. Die Behörde ist zuversichtlich, dass die im VAB durchgeführten Dichtungsmodifikationen und Hardware-Anpassungen die Leckrisiken gemindert haben, die frühere Versuche behinderten.
Wie unterscheidet sich Artemis 2 von den Apollo-Missionen?
Artemis 2 unterscheidet sich von den Apollo-Missionen durch den Einsatz des Space Launch System (SLS), der leistungsstärksten Rakete der Welt, und die Beförderung einer vielfältigen, vierköpfigen internationalen Besatzung. Während sich Apollo auf kurzzeitige Mondlandungen mit dreiköpfigen Besatzungen konzentrierte, dient Artemis 2 als bemannter Vorbeiflug (Flyby) in großer Höhe, um die Lebenserhaltung im tiefen Weltraum zu testen. Zur Crew gehören die NASA-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie Jeremy Hansen von der Canadian Space Agency, was eine neue Ära der internationalen Zusammenarbeit am Mond markiert.
Technologisch stellt das Orion-Raumschiff einen massiven Sprung gegenüber den Apollo-Kommandomodulen dar. Orion ist mit fortschrittlichem Strahlenschutz, autonomer Flugsoftware und einem in Europa gebauten Servicemodul ausgestattet, das Energie und Antrieb liefert. Darüber hinaus zielt das Artemis-Programm auf eine dauerhafte lunare Präsenz ab, statt des „Flags and Footprints“-Ansatzes der 1960er Jahre. Diese Mission wird die Kommunikations- und Navigationssysteme validieren, die für Artemis 3 erforderlich sind, bei der die erste Frau und die erste Person nicht-weißer Hautfarbe auf der Mondoberfläche landen sollen.
Integrierte Systemtests und Missionsziele
Bei der bevorstehenden 10-tägigen Mission wird die Besatzung von Artemis 2 etwa 6.400 Meilen über die Rückseite des Mondes hinausreisen. Diese Flugbahn, bekannt als Hybrid Free-Return Trajectory, nutzt die Schwerkraft des Mondes, um das Raumschiff ohne ein massives Triebwerksmanöver zur Erde zurückzuziehen. Das primäre wissenschaftliche Ziel ist der Nachweis, dass Orions Environmental Control and Life Support System (ECLSS) während einer Reise zum Mond eine sichere Atmosphäre für Astronauten aufrechterhalten kann – eine Leistung, die von Menschen seit Apollo 17 im Jahr 1972 nicht mehr versucht wurde.
Die operativen Tests werden sich auch auf die manuellen Steuerungsfähigkeiten des Raumschiffs konzentrieren. Sobald sie sich im Orbit befinden, wird die Besatzung eine Demonstration von Nahbereichsoperationen durchführen und dabei die ICPS als Ziel verwenden, um das Handling und die Sensoren von Orion zu testen. Diese Manöver sind entscheidend für zukünftige Missionen, bei denen Orion an den Lunar Gateway oder an menschliche Landesysteme im Mondorbit andocken muss.
Zukünftige Ausrichtungen und programmatische Verschiebungen
Während der Countdown für Artemis 2 beginnt, strukturiert die NASA bereits den weiteren lunaren Fahrplan um. Die Behörde gab kürzlich bekannt, dass sie die Exploration Upper Stage (EUS) nicht mehr für den sofortigen Einsatz entwickeln wird, sondern stattdessen modifizierte Centaur-Oberstufen von der United Launch Alliance (ULA) für die Missionen Artemis 4 und 5 beschaffen möchte. Diese Verschiebung zielt darauf ab, den Zeitplan für Mondlandungen zu beschleunigen, die nun für Anfang 2028 angestrebt werden.
Das internationale Interesse an diesen Aktualisierungen bleibt hoch. Josef Aschbacher, Generaldirektor der European Space Agency (ESA), merkte an, dass die NASA internationale Partner nach Washington zu einem Briefing über diese strategischen Änderungen eingeladen hat. Diese Zusammenarbeit spiegelt sich auch im Inland wider, da für Ende März die Artemis Suppliers Conference geplant ist, um die Bemühungen der Tausenden von Privatunternehmen zu koordinieren, die zu den Lieferketten für SLS und Orion beitragen.
Der finale Countdown: Startfenster
Die NASA hat tägliche zweistündige Startfenster zwischen dem 1. April und dem 6. April 2026 identifiziert. Das erste Fenster soll am 1. April um 18:24 Uhr Eastern Time (ET) öffnen. Aufgrund der Komplexität der kryogenen Betankung und des Einstiegs der Besatzung wird die Behörde während dieses Sechs-Tage-Zeitraums auf insgesamt vier Startversuche begrenzt sein. Sollte das Fahrzeug bis zum 6. April nicht starten können, ergibt sich die nächste verfügbare Gelegenheit erst wieder am 30. April, abhängig von der Planetenkonstellation und thermischen Einschränkungen für das Orion-Raumschiff.
- Primäres Startziel: 1. April 2026, um 18:24 Uhr ET.
- Besatzungsmitglieder: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch, Jeremy Hansen.
- Fahrzeug: SLS Block 1 mit Orion-Raumschiff.
- Missionsdauer: Ungefähr 10 Tage.
Das erfolgreiche Rollout zum Launch Complex 39B bringt die Menschheit einen Schritt näher dazu, den niedrigen Erdorbit zum ersten Mal seit über einem halben Jahrhundert zu verlassen. Nachdem die technischen Hürden des Heliumsystems scheinbar gelöst sind, verlagert sich der Fokus nun auf das Flight Readiness Review und die finale Countdown-Sequenz, die darüber entscheiden wird, wann die nächste Generation von Entdeckern ihre Reise zum Mond beginnt.
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